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In 6 Schritten zur Markt- und Wettbewerbsanalyse (so einfach erklärt, dass es jeder versteht)

03.02.2025 · 12 Min Lesezeit · von Irena & Ronny Kühn

Ein sehr großer Bereich für ein erfolgreiches Unternehmen ist die Markt- bzw. Wettbewerbsanalyse. Wer seinen Markt, seine Kunden und seine Konkurrenz genau kennt, kann sich erfolgreich positionieren. Soweit die Theorie. Die Realität sieht dann doch wieder ganz anders aus.

Wir erleben das immer wieder - und ehrlich gesagt ist es fast tragisch, wie oft grundlegende Fragen einfach nicht gestellt werden, bevor Geld, Zeit und Herzblut in ein Sortiment fließen. Deshalb erklären wir dir hier ganz genau, was eine Markt- und Wettbewerbsanalyse ist - so einfach, dass es wirklich jeder versteht. Ohne Fachjargon, ohne unnötiges Blabla.

Was ist eine Markt- und Wettbewerbsanalyse überhaupt?

Stell dir vor, du willst einen Stand am Spielplatz aufmachen und Limonade verkaufen. Bevor du loslegst, würdest du dir automatisch drei Dinge anschauen:

  • Wie viele Kinder spielen überhaupt hier, die Durst haben könnten? (das ist der Markt)
  • Verkauft schon jemand anderes Limonade auf diesem Spielplatz? (das ist der Wettbewerb)
  • Was würde die Kinder dazu bringen, ausgerechnet bei dir zu kaufen? (das ist deine Positionierung)

Genau das ist eine Markt- und Wettbewerbsanalyse - nur eben für ein echtes Business. Man schaut sich die Zielgruppe an, den Wettbewerb, aktuelle Gesetze, Lieferanten und neue Trends. Die Ergebnisse landen meist in einem Businessplan, der wiederum für Investoren, Banken und Partner wichtig sein kann. Auf Basis dieser Daten bekommt man Geld - oder eben nicht.

Warum so viele Gründer trotzdem scheitern

Und hier kommen wir zum wunden Punkt, der vielen Gründern das Genick bricht. Man sagt Gründern gerne nach: "Sie haben sich nicht genug mit dem Markt beschäftigt." Das klingt nach Faulheit. Ist es aber meistens nicht.

Die Wahrheit ist: Die meisten Gründer wissen einfach nicht, wie man eine Markt- und Wettbewerbsanalyse überhaupt macht. Sie haben als Gründer ohnehin schon alle Hände voll zu tun - Businessplan, Finanzplan, Marketing, Steuern, Recht, Behörden, Mitarbeiter. Da bleibt für eine tiefe Marktanalyse oft schlicht keine Anleitung, kein Vorbild, keine Zeit. Das ist keine Bequemlichkeit. Das ist eine Wissenslücke.

Der schnelle Wettbewerbs-Check (inkl. Geheimtipp)

Bevor wir tief einsteigen, hier ein Schnellstart: Schau dir deine bekanntesten Konkurrenten an. Wer beeinflusst dein Geschäft direkt, wer nur indirekt? Womit werben sie? Wo haben sie Schwächen?

Geheimtipp: Durchforste Google-Bewertungen, Trustpilot und Co. - und zwar nicht nur die guten, sondern vor allem die negativen Bewertungen deiner Konkurrenz. Dort steht schwarz auf weiß, was Kunden stört. Genau das kannst du besser machen. Eine kostenlose Goldgrube.

Der schnelle Markt-Check

Als Nächstes schaust du dir den Markt an, den du erobern möchtest. Viele Ratgeber nennen dafür diese Kennzahlen:

  • Marktvolumen (wie groß ist der Kuchen insgesamt?)
  • Marktwachstum (wird der Kuchen größer oder kleiner?)
  • Kaufkraft der Zielgruppe (haben die Leute überhaupt Geld dafür?)
  • Marketinginstrumente (wie erreichst du sie?)

Was dabei oft vergessen wird: Krisen, Kriege, neue Gesetze, plötzlich auftauchende Konkurrenz - all das kann deine schönste Rechnung über Nacht kippen. Eine Marktanalyse zeigt dir immer nur den Ist-Stand von heute, mit dem Wissen von heute.

Ein einfaches Beispiel: Wer 2019 für ein Restaurant mit Seeblick 200 Gäste am Tag vorausberechnet hat, konnte diese Zahl im Frühling 2020 wegen Corona-Lockdown in die Tonne werfen. Die äußeren Faktoren sind genauso wichtig wie die Zahlen selbst.

In 6 Schritten zur Marktanalyse

Jetzt bauen wir das Ganze Schritt für Schritt auf - mit dem Bild vom Fischteich, weil es die Sache am einfachsten macht.

Schritt 1: Wie groß ist dein Teich? (Branche & Marktvolumen)

Bevor du deine Netze auswirfst, musst du wissen, in welchem Teich du überhaupt fischst. Ist es ein riesiger Ozean oder nur eine kleine Pfütze? Willst du zum Beispiel Yogamatten verkaufen, musst du wissen: Wie viele Menschen interessieren sich überhaupt für Yoga, und wie viel Geld geben sie dafür aus?

Schritt 2: Verdunstet das Wasser? (Marktdynamik)

Du hast deinen Teich gefunden - aber wächst er, oder trocknet er gerade aus? Werden es mehr Yoga-Fans, oder wechseln plötzlich alle zu Pilates? Beobachte dabei auch, was in großen Märkten wie den USA oder China passiert - wenn dort plötzlich Yogamatten für 5 € verkauft werden, merkst du das bald auch bei dir.

Schritt 3: Wer fischt noch in deinem Teich? (Wettbewerb)

Schau dir die großen Fische (direkte Konkurrenten) und die kleinen Piranhas (indirekte Konkurrenten) genau an. Welche Strategien nutzen sie? Wie erfolgreich sind sie damit? Das zeigt dir, ob eine Luxus-Yogamatte oder eine günstige Öko-Version mehr Erfolg hätte.

Schritt 4: Wie fängst du die meisten Fische? (Positionierung)

Jetzt kennst du die anderen Fischer. Wie stellst du sicher, dass du selbst genug fängst? Bist du der Premium-Anbieter mit seltenem Himalaya-Bambus, oder der günstige Freund mit soliden Matten? Deine Entscheidung basiert auf dem, was du über Markt und Wettbewerb gelernt hast.

Schritt 5: Wie machst du dich sichtbar? (Marketing)

Auch die beste Yoga-Matte verkauft sich nicht von allein. Welche Kanäle erreichen deine Zielgruppe am besten? Influencer auf Instagram? Klassische Anzeigen? Bedenke: Die Lautesten sind nicht immer die Erfolgreichsten. Manchmal bringt ein gut platziertes Flüstern mehr als ein Schrei. Aber egal wofür du dich entscheidest - es braucht Geld und Planung.

Schritt 6: Wer bist du als Fischer? (SWOT-Analyse)

Zum Schluss: Wer bist du selbst in diesem Spiel? Die SWOT-Analyse - Stärken, Schwächen, Chancen, Gefahren - hilft dir, deine eigene Position zu verstehen. Vielleicht bist du unglaublich gut im Netzwerken, aber deine Online-Marketing-Kenntnisse sind eher überschaubar. Das ist okay - solange du es weißt.

Mit diesen 6 Schritten kannst du nicht nur überleben, sondern wachsen. Und denk dran: Eine Marktanalyse ist kein einmaliges Projekt, das du abhakst. Märkte und Konkurrenten ändern sich so sicher wie das Wetter in den Bergen - du musst immer wieder hinschauen.

Ein Rechenbeispiel zum Mitverfolgen: Wasserpistolen aus China

Damit die 6 Schritte greifbar werden, rechnen wir ein einfaches Beispiel durch: Ein deutscher Händler will Wasserpistolen aus China importieren und in Deutschland verkaufen.

Schritt 1 & 2: Wie groß ist der Teich, und wächst er?

Angenommen, der Markt für Outdoor-Spielzeug in Deutschland ist 500 Millionen Euro pro Jahr groß. Wasserpistolen machen davon vielleicht 5% aus. Da Wasserpistolen ein Sommer-Produkt sind, konzentriert sich der Verkauf stark auf wenige Monate:

Was wir wissen wollen Beispielrechnung
Geschätztes Marktvolumen Wasserpistolen ca. 2,5 Mio. €/Jahr
Durchschnittlicher Verkaufspreis 25 €
Geschätzte Anzahl verkaufter Stück/Jahr ˜ 100.000 Stück
Verkaufsspitze Juni-August: ca. 75% der Jahresverkäufe

Das zeigt dir sofort etwas Wichtiges: Du musst dein Lager und deine Werbung auf den Sommer ausrichten - nicht übers Jahr verteilt planen.

Schritt 3: Wer fischt noch mit?

Große Spielzeughersteller kontrollieren zusammen vielleicht 60% des Marktes, kleinere Dropshipper und Nischenmarken teilen sich den Rest. Die Großen haben starke Marken und viel Werbebudget - aber sind oft langsamer und teurer. Kleine Anbieter können über Preis und Nischen punkten, kämpfen aber mit Sichtbarkeit.

Schritt 4: Wie positionierst du dich?

Bei 5 € Einkaufspreis, 5 € Versand- und Verpackungskosten und 25 € Verkaufspreis bleibt auf dem Papier eine ordentliche Marge. Eine Positionierung als umweltfreundliche Alternative (recycelbare Materialien) oder mit einem besonderen Feature könnte dich vom Einheitsbrei abheben.

Schritt 5: Was kostet Sichtbarkeit wirklich?

Angenommen, du schaltest Facebook-Werbung mit 20 € Tagesbudget, erreichst 1.000 Besucher am Tag und 3% davon kaufen:

Die optimistische Rechnung

  • 30 Käufer/Tag (3% von 1.000 Besuchern)
  • Umsatz: 30 x 25 € = 750 €/Tag
  • Produkt- und Versandkosten: 30 x 10 € = 300 €
  • Nettogewinn: 750 € - 300 € - 20 € Werbung = 430 €/Tag

Klingt fantastisch, oder? Genau hier liegt die Falle, in die viele Gründer tappen.

5 Fehler, die fast jeder übersieht - und die realistische Rechnung

Bei der optimistischen Rechnung oben wurden fünf Dinge zu positiv angenommen. Das sind die häufigsten Fehler, die wir bei Gründern sehen:

  1. Zu hohe Wiederkaufsrate erwartet: Kinder kaufen nicht jedes Jahr eine neue Wasserpistole. Wer davon ausgeht, dass Kunden ständig wiederkommen, kalkuliert zu optimistisch.
  2. Konkurrenz unterschätzt: Es gibt bereits unzählige Anbieter, die dich sofort unterbieten können. Niemand hat auf genau dein Produkt gewartet.
  3. Konversionsrate zu hoch angesetzt: 3% Kaufrate bei Facebook-Ads ist meist unrealistisch optimistisch. Realistischer sind oft nur 0,5%.
  4. Steigende Lieferkosten nicht eingeplant: Versand von China nach Deutschland wird durch Zölle und Logistik oft teurer als gedacht - statt 5 € plötzlich 7 € pro Stück.
  5. Rücksendungen und defekte Ware vergessen: Zusätzliche Kosten von rund 10% der Gesamtkosten, die in der ersten Rechnung schlicht fehlten.

Rechnen wir mit diesen fünf realistischeren Annahmen noch einmal nach:

Die realistische Rechnung

  • Käufer/Tag bei 0,5% Konversion: 5 statt 30
  • Kosten pro Einheit (inkl. höherer Versand): 12 € statt 10 €
  • Umsatz: 5 x 25 € = 125 €
  • Produktkosten: 5 x 12 € = 60 €
  • Zusatzkosten Rücksendungen/Defekte: ca. 6 €
  • Werbekosten: 20 €
  • Nettogewinn: 125 € - 60 € - 6 € - 20 € = - 36 €/Tag (Verlust!)

Aus 430 € Tagesgewinn wird ein täglicher Verlust von 36 € - nur durch fünf realistischere Annahmen. Genau das ist der Grund, warum eine ehrliche Markt- und Wettbewerbsanalyse kein "nice to have" ist, sondern darüber entscheidet, ob ein Geschäftsmodell überhaupt funktioniert.

Kostenlose Wettbewerbsanalyse-Vorlage

Damit du das Rad nicht neu erfinden musst, haben wir eine Excel-Vorlage mit 23 Fragen für deine eigene Markt- und Wettbewerbsanalyse zusammengestellt. Damit kannst du deine Mitbewerber Schritt für Schritt durchgehen und dir kinderleicht einen Überblick verschaffen.

Damit du das Rad nicht neu erfinden musst: Unsere kostenlose Excel-Vorlage mit 23 Fragen für deine eigene Markt- und Wettbewerbsanalyse.

Kostenlose Vorlage herunterladen (.xlsx)

Fazit

Eine nüchtern betrachtete Markt- und Wettbewerbsanalyse ist entscheidend für deinen Erfolg als Unternehmer. Papier - und damit auch dein Businessplan - ist geduldig. Analysiere deinen Wettbewerb gründlich und mit Ruhe, aber lass dir nicht zu viele Steine in den Weg legen. Manchmal muss man eine Idee einfach umsetzen und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein. Vor allem eines solltest du nie unterschätzen: die Macht der Werbung. Das beste Produkt verkauft sich nicht von allein - genau wie die Yoga-Matte und die Wasserpistole aus unseren Beispielen.

Bei SHOMUGO unterstützen wir dich auch bei deiner Markt- und Wettbewerbsanalyse - und bieten dir einen Online-Shop, der dich von Anfang an tatkräftig begleitet.

Häufige Fragen zur Markt- und Wettbewerbsanalyse

Was ist der Unterschied zwischen Marktanalyse und Wettbewerbsanalyse?
Die Marktanalyse schaut sich den gesamten Markt an - Größe, Wachstum, Kaufkraft, äußere Einflüsse. Die Wettbewerbsanalyse konzentriert sich gezielt auf deine Konkurrenten: ihre Strategie, ihre Stärken und ihre Schwächen.

Wie lange dauert eine gute Markt- und Wettbewerbsanalyse?
Ein grober Überblick lässt sich in wenigen Stunden erstellen. Eine fundierte Analyse für einen Businessplan braucht meist mehrere Tage, da Zahlen recherchiert und mehrfach geprüft werden sollten.

Warum scheitern so viele Berechnungen im Nachhinein?
Weil Annahmen zu optimistisch getroffen werden - etwa bei Konversionsraten, Wiederkaufsraten oder Versandkosten. Schon kleine Korrekturen bei mehreren Faktoren gleichzeitig können aus einem Gewinn einen Verlust machen.

Reicht eine einmalige Marktanalyse für den Businessplan?
Nein. Eine Marktanalyse zeigt immer nur den Stand zu einem bestimmten Zeitpunkt. Märkte, Gesetze und Konkurrenz verändern sich - eine gute Analyse wird regelmäßig aktualisiert.

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