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Einzelunternehmen gründen: Tipps, Fallstricke – und warum kein Businessplan der Realität standhält

03.02.2025 · 10 Min Lesezeit · von Irena & Ronny Kühn

Du träumst von einer Selbstständigkeit als Einzelunternehmer:in? Gratulation, damit bist du nicht allein. Ein Einzelunternehmen gründen - diesen Traum haben viele Menschen. Die wenigsten setzen ihn jedoch in die Tat um, weil Informationen fehlen oder bestimmte Schritte einfach nicht klar sind. Da helfen auch keine Webseiten, die stets dasselbe vom Gründen eines Einzelunternehmens predigen.

Wir sprechen hier aus eigener Erfahrung und zeigen dir, worauf es wirklich ankommt, wenn du ein Einzelunternehmen gründen möchtest. Sei gespannt auf einen ehrlichen Einblick, welche Schritte notwendig sind - und welche du getrost ignorieren kannst.

Was ist ein Einzelunternehmen?

Ein Einzelunternehmen ist ein Unternehmen, das von einer Person (natürliche Person) geführt wird. Diese Person kann durchaus Mitarbeiter einstellen - der Begriff "Einzelunternehmen" bezieht sich auf Haftung und Verantwortung. Die verantwortliche Person ist zu 100% für Erfolg und Misserfolg verantwortlich und mit dem eigenen Vermögen haftbar.

Das klingt tragisch, ist es aber gar nicht. Du bist meist "nur" mit deinem eigenen Vermögen voll haftbar, wenn du grob fahrlässig agierst - also etwas mit Absicht herbeiführst oder wichtige Regeln und Gesetze ignorierst.

Übrigens: Bei anderen Unternehmensformen bist du bei grober Fahrlässigkeit ebenfalls mit deinem eigenen Vermögen haftbar. Lass dich von diesem Umstand also nicht aus der Fassung bringen.

Bei einem Einzelunternehmen arbeitest du für dich selbst und auf eigene Rechnung. Laut manchen anderen Webseiten soll durch die persönliche Haftung eine hohe Kreditwürdigkeit gegeben sein. Das ist falsch! Eine hohe Kreditwürdigkeit erhältst du nicht durch dein Privatvermögen, sondern durch das Einkommen deines Unternehmens. Setze also keinesfalls voraus, dass du Investitionen am Anfang durch die bloße Gründung erhältst.

Die magische Zahl 100

Die magische Zahl 100 wird dich im Laufe deiner Selbstständigkeit womöglich öfter verfolgen. Vor allem beim Start eines Business wirst du ihr immer wieder begegnen. Was daran magisch ist, wissen wir selbst nicht - Fakt ist jedoch:

  • Möchtest du von deiner Bank einen Unternehmenskredit, solltest du mindestens 100 zahlende Kunden vorweisen können. Ansonsten kannst du dir den Termin beim Bankberater sparen - da sprechen wir aus eigener Erfahrung und schmunzeln über Werbeslogans wie #glaubandich.
  • Möchtest du Kooperationen mit Unternehmen eingehen, solltest du ebenfalls mindestens 100 zahlende Kunden bzw. Referenzen vorweisen können.
  • Bist du grundsätzlich auf Referenzen angewiesen, solltest du auch hier an die 100 vorweisen können - sonst wird es schwer, neue Kunden oder Partner zu finden.

Da beißt sich die Katze in den Schwanz: Du brauchst Geld und Kooperationen, um neue Kunden zu finden - Banken, Partner und Kunden setzen aber oft genau diesen Referenzpunkt (=100) voraus. Behalte diese Information im Auge, wenn du dein Business aufbauen möchtest.

Die Gründung eines Einzelunternehmens

Die Gründung eines Einzelunternehmens ist in Österreich seltsamerweise relativ einfach. Für den Start benötigst du eine Gewerbeberechtigung, die du in der Regel automatisch durch die Anmeldung deines Einzelunternehmens bei einer Servicestelle der Wirtschaftskammer Österreich erhältst.

Manche Gewerbearten benötigen zusätzlich einen Befähigungsnachweis. Fehlt dieser, kannst du entweder kein Unternehmen gründen, oder einen gewerberechtlichen Geschäftsführer bestellen - der im Betrieb mitarbeiten, voll versichert und mehr als die Hälfte der wöchentlichen Normalarbeitszeit (>20h) beschäftigt sein muss. Auf gut Deutsch: Du musst bereits einen Angestellten monatlich bezahlen und entsprechend Arbeit für ihn oder sie haben.

Es gibt auch Sonderformen: die Kleinstunternehmerregelung, die es in Deutschland und Österreich gibt. Zudem musst du nicht unbedingt in die 100% Selbstständigkeit wechseln, sondern kannst dies - in Absprache mit deinem Arbeitgeber - auch nebenberuflich machen. Das empfehlen wir sogar, sofern möglich.

Warum wir eine nebenberufliche Selbstständigkeit empfehlen

Möchtest du ein Einzelunternehmen gründen, versuche das am Anfang nebenberuflich. Du ersparst dir dadurch womöglich einiges an Stress. Erstens hast du weiterhin ein geregeltes Einkommen bei deinem derzeitigen Arbeitgeber und kannst dein Unternehmen langsam aufbauen. Eine 100%ige Selbstständigkeit erlaubt dir diese "Ruhe" nicht - du musst dich ab Tag 1 darum kümmern, dass Kunden deine Rechnungen bezahlen.

Zweitens sinken deine Abgaben und Beiträge, etwa zur Krankenversicherung. Bei nebenberuflicher Selbstständigkeit zahlt primär dein Arbeitgeber diese Abgaben, du nur einen kleinen Teil. Bei 100%iger Selbstständigkeit kommt jedes Quartal ein Erlagschein der SVS mit mindestens 400 € auf dich zu.

Nebenberufliche Selbstständigkeit kann dein Business einfacher und sogar schneller aufbauen. Klingt merkwürdig, ist aber so: Du kannst dein Gehalt vom Arbeitgeber dafür verwenden, eine Website aufzubauen, Software-Lizenzen zu bezahlen und vor allem ein Werbebudget aufzubauen. Werbung ist das A und O, um Kunden zu finden. Und Werbung kostet.

Geh bitte NICHT davon aus, dass Posts auf Facebook, Instagram oder TikTok von Freunden und Bekannten geliked und geteilt werden und du dadurch neue Kunden findest. Das ist eine falsche Annahme und KEIN sicheres Marketingkonzept. Wenn du wirklich Kunden erreichen möchtest, plane ca. 500 € pro Monat an Werbung ein. Nur so kannst du wirklich ein Business aufbauen.

Einzelunternehmen gründen: Firmenbuch und e.U.

Wenn du ein Einzelunternehmen gründest, musst du dich erst ab Erreichung der Rechnungslegungspflicht in das Firmenbuch eintragen. Diese Grenze liegt derzeit bei einem Jahresumsatz von mehr als 1.000.000 € in einem Jahr oder mehr als 700.000 € in zwei aufeinanderfolgenden Jahren.

Du kannst dich freiwillig ins Firmenbuch eintragen - diese Eintragung UND jede Änderung (Adresse, Kontaktdaten) kostet jedoch. Dafür hast du als Einzelunternehmen das Privileg, einen Fantasienamen als Firmenbezeichnung zu führen. Ohne Eintragung ist das nur in Verbindung mit deinem vollständigen Namen möglich.

Ohne Firmenbucheintrag: Muster Haustechnik, Max Muster

Mit Firmenbucheintrag: Blitz Blank Haustechnik e.U.

Die Abkürzung e.U. bedeutet "eingetragenes Unternehmen" und darf nur in diesem Zusammenhang verwendet werden - nicht als Abkürzung für "Einzelunternehmen", wie auf manchen Blogs irreführend angegeben wird. Ist dein Unternehmen nicht im Firmenbuch eingetragen, darfst du "e.U." nicht anführen.

Unsere persönliche Empfehlung: Für den Start ist ein Firmenbucheintrag meist nicht notwendig. Er verursacht Kosten und muss bei jeder Änderung kostenpflichtig aktualisiert werden. Kunden ist es meist egal, ob das Unternehmen "Blitz Blank Haustechnik e.U." oder "Muster Haustechnik, Max Muster" heißt - es kommt auf Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis an. Den Eintrag kannst du jederzeit nachträglich vornehmen.

Kosten und Steuern

Sobald du ein Einzelunternehmen gegründet hast, werden Kosten und Steuern fällig. Du bist als Unternehmen bei der Wirtschaftskammer ein verpflichtendes zahlendes Mitglied. Die Beiträge der SVS (Sozialversicherung der Selbstständigen) decken Krankenversicherung, Pensionsversicherung und Selbstständigenvorsorge.

Unter gewissen Umständen kannst du dich von diesen Beiträgen ausnehmen lassen - dazu informiert dich am besten dein Steuerberater, den wir dir dringend empfehlen.

Achtung: Die SVS-Beiträge starten in der Regel ab rund 400 € pro Quartal - berücksichtige das unbedingt in deiner Planung. Eine deutliche Reduzierung erhältst du, wenn du dein Einzelunternehmen neben einer fixen Anstellung im Nebenerwerb aufbaust, da dann der Großteil dieser Beiträge vom Arbeitgeber übernommen wird. Dafür brauchst du aber dessen Einverständnis - das kann dir verweigert werden.

In der Regel hast du zudem Steuern zu sammeln und abzuführen - meist ein Steuersatz von 20%. Leistungen, die du verrechnest, musst du zusätzlich mit 20% Umsatzsteuer verrechnen und ans Finanzamt abführen. Dafür kannst du im Gegenzug eine Vorsteuer geltend machen - die Steuer auf Leistungen und Produkte, die du für deine Firma beziehst, kannst du dir vom Finanzamt zurückholen.

Ein guter Steuerberater klärt dich genau auf, ob für dich eine sogenannte Kleinunternehmerregelung Sinn macht. Kann dir dein Steuerberater das nicht erklären, suche dir einen neuen. Das meinen wir ernst - er oder sie ist dein primärer Kontakt in Finanz- und Steuerfragen. Ist hier keine Kommunikation möglich, schadet das über kurz oder lang deinem Unternehmen.

Online-Shop und Sichtbarkeit

Ob du es glaubst oder nicht: Der Erfolg deines Unternehmens hängt kaum von deinem Businessplan ab, sondern viel mehr von der Sichtbarkeit. Du kannst noch so viele Ausgaben und Einnahmen kalkulieren - wenn dein Unternehmen, dein Produkt und deine Dienstleistung nicht gesehen und gefunden werden, bist du innerhalb kürzester Zeit pleite. Das ist ein Fakt.

Wir unterstützen dich bei SHOMUGO betreffend Online-Shop, Markenauftritt und Sichtbarkeit. Kontaktiere uns einfach für ein individuelles Angebot. Bitte vernachlässige das Thema Sichtbarkeit nie. Wer dich nicht kennt, wird bei dir nichts kaufen - mach dir das bewusst und erarbeite eine Strategie samt Budget, damit du von Anfang an an deiner Sichtbarkeit und Reichweite arbeitest.

Ein Businessplan ist K*cke - vier Jahre Realität statt Excel-Tabelle

Wer ein Unternehmen gründen möchte, wird immer wieder mit einem Businessplan konfrontiert. Das hatten wir ebenso - und haben eine Vielzahl an Stunden in dieses Dokument gesteckt. Natürlich war ein Finanzplan gekoppelt, der am Anfang etwas zu positiv gestaltet und nach Feedback drastisch nach unten korrigiert wurde. Trotzdem - Insiderwissen - spuckte der Finanzplan nach rund zwei Jahren einen Umsatz von 90.000 € pro Monat aus, davon rund 5–10% Gewinn.

Die Realität sah anders aus. So richtig anders, dass wir es hier einmal schwarz auf weiß zeigen:

Jahr Umsatz Ergebnis
Jahr 1 ca. 400 € 0% Gewinn
Jahr 2 - −8.000 € Verlust
Jahr 3 - +2.000 € Gewinn
Jahr 4 ca. 100.000 € deutlich profitabel

Vom vorhergesagten Businessplan (90.000 € Umsatz pro Monat nach zwei Jahren) bis zur echten Zahl im zweiten Jahr (8.000 € Verlust, nicht Gewinn) liegen Welten. Und trotzdem - vier Jahre später stand am Ende ein Jahresumsatz von rund 100.000 €. All das kann kein Businessplan vorhersagen. Das ist Business im echten Leben.

Was wir damit sagen möchten: Investiere nicht zu viel Energie in einen Businessplan und Finanzplan. Papier ist geduldig. Wir haben unseren Businessplan Banken, Businessberatern, Anwälten und Partnern vorgestellt. Feedback aller Gruppen: "Wow. Das wird sicher ein Erfolg, die Leute werden euch die Tür einrennen."

Nope. Eben nicht. Warum nicht? Weil wir in Businessplan und Finanzplan den Punkt "Werbung" und "Werbungskosten" nahezu vergessen hatten - bzw. diese aus dem kommenden Umsatz finanzieren wollten. Doch auch hier beißt sich die Katze in den Schwanz: Wenn kein Umsatz reinkommt, kannst du keine Werbung finanzieren. Kannst du keine Werbung finanzieren, kommen keine neuen Kunden und kein Umsatz.

Ignore the nay-sayers

Arnold Schwarzenegger hat es einmal treffend auf den Punkt gebracht: "Ignore the nay-sayers" - ignoriere die Nein-Sager. Mach dein Ding. Doch vergiss dabei nie: Ein eigenes Business ist wie eine Achterbahnfahrt. Jeden Tag. Manchmal mehrmals am Tag.

Aber diese Achterbahnfahrt macht so viel mehr Spaß, als mit 65 oder 70 auf dem Sofa zu sitzen und zu denken: "Ach, hätte ich nur mehr Mut gehabt." Denn klugscheißen kann wahrlich jeder. Aus der Sicherheit heraus erklären, warum etwas nicht funktionieren wird - das kostet nichts und niemanden. Zu starten und daran zu glauben, obwohl der Businessplan nichts vorhersagen kann und das zweite Jahr Verluste bringt - das braucht so viel mehr Mut.

Warte also nicht auf bessere Zeiten mit deiner Idee. Starte noch heute und erreiche Außergewöhnliches.

Häufige Fragen zur Gründung eines Einzelunternehmens

Muss ich mein Einzelunternehmen ins Firmenbuch eintragen?
Erst ab Erreichung der Rechnungslegungspflicht (aktuell mehr als 1.000.000 € Jahresumsatz oder mehr als 700.000 € in zwei aufeinanderfolgenden Jahren). Eine freiwillige Eintragung ist jederzeit möglich, verursacht aber Kosten.

Was bedeutet die Abkürzung e.U.?
"Eingetragenes Unternehmen" - sie darf nur geführt werden, wenn das Unternehmen tatsächlich im Firmenbuch eingetragen ist. Sie steht nicht für "Einzelunternehmen", wie fälschlicherweise oft angenommen wird.

Wie viel kostet die Sozialversicherung als Einzelunternehmer in Österreich?
Die SVS-Beiträge starten in der Regel ab rund 400 € pro Quartal. Bei nebenberuflicher Selbstständigkeit übernimmt der Arbeitgeber einen Großteil dieser Beiträge, was die eigene Belastung deutlich reduziert.

Lohnt sich ein detaillierter Businessplan vor der Gründung?
Ein grober Finanzplan zur eigenen Orientierung ist sinnvoll, sollte aber nicht überbewertet werden. Reale Geschäftsentwicklungen weichen oft massiv von Businessplan-Prognosen ab - sowohl nach unten als auch, über mehrere Jahre betrachtet, deutlich nach oben.

Warum ist Sichtbarkeit wichtiger als ein perfekter Finanzplan?
Weil selbst die genaueste Kalkulation nichts bringt, wenn Produkt oder Dienstleistung nicht gefunden werden. Ohne eingeplantes Werbebudget von Anfang an bleibt ein Unternehmen unsichtbar, unabhängig davon, wie gut der Plan auf dem Papier aussieht.

Aus der Praxis geschrieben

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