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Grundpreise bei Sets und Bundles: Wann sie Pflicht sind - und wann sie ein Fehler sind

Aktualisiert 20.08.2026 · 7 Min Lesezeit

Beim 6er-Pack Wein ist der Grundpreis Pflicht. Beim Geschenkkorb mit Wein, Käse und Marmelade wäre er falsch. Trotzdem steht dort in vielen Shops eine Angabe – meistens „pro Stück“. Das ist kein harmloser Platzhalter, sondern eine Preisangabe, die es so nicht geben dürfte.

Der Fehler entsteht selten aus Nachlässigkeit. Er entsteht, weil moderne Shopsysteme den Grundpreis automatisch berechnen – und die Automatik rechnet zuverlässig mit dem, was man ihr gibt. Ob die Zahl inhaltlich Sinn ergibt, kann sie nicht wissen.

Wozu der Grundpreis da ist

Der Grundpreis ist der Preis je Mengeneinheit: pro Kilogramm, pro Liter, pro Meter, pro Quadrat- oder Kubikmeter. Er hat genau eine Aufgabe – Vergleichbarkeit über unterschiedliche Packungsgrößen hinweg.

Ohne ihn stehen 4,99 Euro für 340 Gramm neben 6,49 Euro für 500 Gramm, und niemand rechnet im Kopf mit. Mit ihm stehen dort 14,68 Euro/kg und 12,98 Euro/kg, und die Sache ist in einer Sekunde entschieden.

Aus dieser Aufgabe folgt alles Weitere. Der Grundpreis ist keine Pflichtangabe, die man irgendwie ausfüllen muss, sondern eine Vergleichsgröße. Wo es nichts zu vergleichen gibt, gibt es auch keinen Grundpreis.

Rechtsgrundlage ist die EU-Richtlinie 98/6/EG, umgesetzt in Österreich im Preisauszeichnungsgesetz, in Deutschland in der Preisangabenverordnung.

Wann er Pflicht ist

Grundpreispflichtig sind Waren, die nach Gewicht, Volumen, Länge oder Fläche angeboten werden. Also: Lebensmittel, Getränke, Kosmetik, Reinigungsmittel, Kabel, Stoffe, Folien, Farben.

Nicht grundpreispflichtig sind Waren, die nach Stückzahl verkauft werden. Ein T-Shirt hat keinen Grundpreis. Ein Buch hat keinen. Eine Handyhülle hat keinen. Das ist keine Lücke im Gesetz, sondern der Normalfall: Bei Stückware ist der Preis selbst schon die Vergleichsgröße.

Die Mengeneinheit ist grundsätzlich 1 kg, 1 l, 1 m, 1 m² oder 1 m³. Bei kleinen Füllmengen – in Deutschland gilt die Grenze von 250 Gramm beziehungsweise Millilitern – darf stattdessen auf 100 g oder 100 ml bezogen werden. Deshalb steht bei Kosmetik und Gewürzen üblicherweise ein Preis pro 100 ml und nicht der wenig hilfreiche Preis pro Liter.

Sets: Es kommt auf die Gleichartigkeit an

Hier trennt sich die Sache in zwei Wege, und die Frage dahinter ist immer dieselbe: Lässt sich für den gesamten Inhalt eine einzige sinnvolle Mengeneinheit bilden?

Fall 1: Gleichartige Ware – Grundpreis auf die Gesamtmenge

Sechs Flaschen desselben Weins zu je 0,75 Liter sind zusammen 4,5 Liter. Kostet das Paket 59,40 Euro, lautet der Grundpreis 13,20 Euro pro Liter. Der Kunde kann das Paket damit direkt mit der Einzelflasche vergleichen – genau dafür ist die Angabe da.

Gleichartig heißt dabei nicht identisch. Drei verschiedene Marmeladensorten zu je 200 Gramm sind gleichartig: Es ist dieselbe Warenart, dieselbe Bezugsgröße, dasselbe Gesamtgewicht von 600 Gramm. Kostet das Set 11,40 Euro, sind das 19 Euro pro Kilogramm.

Rechenweg

Gesamtpreis geteilt durch Gesamtmenge, mal Mengeneinheit. Beispiel: 11,40 € / 600 g × 1000 g = 19,00 € pro kg.

Fall 2: Misch-Bundle – kein Grundpreis

Ein Geschenkkorb mit einer Flasche Wein, einem Stück Käse, einem Glas Marmelade und einem Holzbrett hat keine gemeinsame Bezugsgröße. Wein misst man in Litern, Käse in Kilogramm, das Brett gar nicht.

Man könnte theoretisch alles zusammenwiegen und einen Preis pro Kilogramm ausrechnen. Nur wäre diese Zahl sinnlos: Sie vergleicht nichts mit nichts, und sie würde vor allem davon abhängen, wie schwer das Holzbrett ist.

Ein solches Bundle bekommt keinen Grundpreis. Das ist kein Versehen und keine Grauzone, sondern die richtige Antwort: Es gibt keine Mengeneinheit, auf die sich der Preis sinnvoll beziehen lässt.

Der Zwischenfall: Set mit Zugabe

Shampoo mit 500 ml plus Bürste als Zugabe. Hier bleibt der Charakter der Hauptware erhalten – der Grundpreis bezieht sich auf die grundpreispflichtige Ware, also auf die 500 ml Shampoo. Die Bürste bleibt draußen.

Faustregel für die Abgrenzung: Wenn eine Komponente das Angebot prägt und die andere erkennbar Beiwerk ist, rechnest du auf die prägende Komponente. Wenn mehrere Komponenten gleichrangig nebeneinanderstehen, ist es ein Misch-Bundle.

Der häufigste Fehler: „pro Stück“

Das ist die Angabe, die uns bei Shop-Analysen am häufigsten begegnet – und sie kommt fast nie aus einer Entscheidung, sondern aus einem Pflichtfeld.

Im Backend steht ein Feld „Einheit“, das Dropdown bietet Stück an, also nimmt man Stück. Das System rechnet gehorsam und schreibt unter das Bundle:

So sieht der Fehler im Shop aus

Geschenkkorb Steiermark – 49,90 €
(49,90 € / 1 Stück)

Warum das ein Problem ist:

  • Stück ist keine Mengeneinheit im Sinne der Vorschrift. Vorgesehen sind Gewicht, Volumen, Länge und Fläche. Ein Preis pro Stück ist kein Grundpreis, er sieht nur aus wie einer.
  • Die Angabe ist inhaltsleer. „49,90 € pro 1 Stück“ bei einem Artikel, der 49,90 € kostet, sagt nichts. Sie füllt Platz, wo eine Vergleichsgröße stehen sollte.
  • Sie kann irreführend wirken. Eine Preisangabe, die als Grundpreis auftritt, ohne einer zu sein, suggeriert eine Vergleichbarkeit, die es nicht gibt – und Preisangaben sind ein klassisches Abmahnfeld.
  • Und sie ist unnötig. Das ist der bittere Teil: Ohne Angabe wäre alles richtig gewesen. Der Fehler entsteht durch das Ausfüllen, nicht durch das Weglassen.

Die zweithäufigste Variante desselben Denkfehlers: ein Grundpreis pro Kilogramm auf einem Bundle, das zufällig ein Gesamtgewicht hat. Formal eine erlaubte Einheit, inhaltlich genauso wertlos.

Warum die Automatik hier an ihre Grenze kommt

Moderne Systeme nehmen dir die Rechnerei ab, und das ist gut so – die händische Berechnung ist die zweithäufigste Fehlerquelle.

Germanized Pro berechnet den Grundpreis in WooCommerce automatisch: Du hinterlegst Füllmenge und Einheit, das Plugin bildet daraus den Preis pro Mengeneinheit und aktualisiert ihn auch bei Aktionspreisen. Wie das im Detail eingerichtet wird, steht in unserer Anleitung zur Grundpreisangabe bei WooCommerce.

Bei onlinekaufen.at, unserem Schaufenster für Produkte und Dienstleistungen, läuft dieselbe Berechnung automatisch mit – du gibst Menge und Einheit an, der Grundpreis erscheint von selbst korrekt.

Und genau hier liegt der Haken. Beide Systeme rechnen richtig. Aber:

Der Punkt, um den es geht

Keine Automatik kann wissen, ob dein Set gleichartig ist. Sie sieht Zahlen, keine Warenkunde. Ob ein Grundpreis überhaupt gebildet werden darf, entscheidest du – und zwar dadurch, ob du die Felder ausfüllst oder leer lässt.

Bei einem Misch-Bundle lautet die richtige Eingabe also: nichts. Füllmenge leer, Einheit leer, kein Grundpreis. Das fühlt sich beim Anlegen unfertig an – es ist trotzdem die korrekte Pflege.

Achte außerdem auf geerbte Werte. Wenn ein Bundle aus vorhandenen Produkten zusammengesetzt wird, übernehmen manche Plugins die Angaben der Einzelartikel. Dann steht plötzlich die Füllmenge des ersten Bestandteils am ganzen Paket.

Und wenn WooCommerce beim Speichern der Füllmenge mit „Bitte gib einen Wert mit einem Dezimalkomma ein“ abbricht: Das ist kein Grundpreis-Problem, sondern ein Formatproblem im Feld – nachzulesen hier.

Was du im Shop durchgehen kannst

  1. Liste alle Artikel auf, die ein Set, Paket, Bundle, eine Box oder ein Probierpaket sind.
  2. Frag bei jedem: Haben alle Bestandteile dieselbe Bezugsgröße – alles Gewicht oder alles Volumen?
  3. Wenn ja: Grundpreis auf die Gesamtmenge, nicht auf die Einzelpackung.
  4. Wenn nein: Füllmenge und Einheit leeren, damit gar kein Grundpreis erscheint.
  5. Sucht dein Shop irgendwo nach „Stück“ als Grundpreiseinheit? Jeder Treffer gehört überprüft.
  6. Bei Aktionspreisen: Rechnet das System den Grundpreis mit? Bei Germanized Pro und onlinekaufen.at ja – bei händisch gepflegten Angaben ist es die klassische Stelle, an der die Zahl stehen bleibt.
  7. Bei variablen Produkten: Hat jede Variante ihre eigene Menge hinterlegt?

Punkt fünf ist der schnellste Weg zu einem Ergebnis. Wenn im Shop irgendwo „/ 1 Stück“ unter einem Preis steht, hast du den Fehler gefunden.

Produkte, die von selbst richtig ausgezeichnet sind

Auf onlinekaufen.at hinterlegst du Menge und Einheit, der Grundpreis wird daraus berechnet und bleibt auch bei Aktionspreisen korrekt. Das Schaufenster für Produkte und Dienstleistungen aus unserem Haus – für Händler, die sichtbar sein wollen, ohne einen zweiten Shop zu betreiben.

onlinekaufen.at ansehen →

Fazit

Die Frage bei Sets ist nie „welchen Grundpreis schreibe ich hin“, sondern „gibt es hier überhaupt eine sinnvolle Vergleichsgröße“. Bei gleichartiger Ware lautet die Antwort ja, und dann rechnest du auf die Gesamtmenge. Bei einem Misch-Bundle lautet sie nein – und dann ist das leere Feld die richtige Angabe.

Die Automatik in Germanized Pro oder auf onlinekaufen.at nimmt dir das Rechnen ab, nicht die Entscheidung. Sie ist ein sehr guter Taschenrechner und keine Warenkunde.

Wenn du gerade ohnehin bei der Preisauszeichnung bist: Grundpreis, Lieferzeit, Versandkostenhinweis und Bestellbutton gehören zum selben Themenblock. Der Leitfaden für rechtssichere WooCommerce-Shops geht sie der Reihe nach durch, und wie der Bestellbutton beschriftet sein muss, steht in Die Button-Lösung richtig umsetzen.

Rechtsgrundlagen: Richtlinie 98/6/EG, Preisauszeichnungsgesetz (Österreich), Preisangabenverordnung (Deutschland). Stand: August 2026. Wir sind Praktiker aus der Shop-Entwicklung und keine Rechtsanwälte – dieser Artikel ersetzt keine Rechtsberatung und bewertet keinen Einzelfall. Für verbindliche Auskünfte und geprüfte Rechtstexte empfehlen wir Trusted Shops oder die IT-Recht Kanzlei.

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